Das Recht auf ein Zeugnis und die Tücken der Benotung

Jedem Mitarbeiter steht nach Beendigung des Dienst- oder Arbeitsverhältnisses ein Zeugnis, nach Verlangen sogar ein qualifiziertes Zeugnis zu.
Ein qualifiziertes Zeugnis ist ein Zeugnis, das sich auf die Führung und Leistung im Arbeitsverhältnis erstreckt. Es muß wohlwollend und wahr formuliert sein.
Nach einem triftigen Grund besteht auch ein Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.

Einleitung: (aus betriebsüblicher Praxis)
Der oberste Grundsatz für die Zeugniserteilung ist die Wahrheit der Gesamtbeurteilung.
Die Wahrheitspflicht bedeutet aber keine Pflicht zur schonungslosen Beurteilung von ungünstigen Vorkommnissen. Sie schließt nicht aus, daß der Arbeitgeber bei der Ausstellung des Zeugnisses grundsätzlich einen wohlwollenden Standpunkt einnehmen soll.
Das berufliche Fortkommen soll dadurch nicht erschwert werden.
Der Arbeitgeber darf keinesfalls wahrheitswidrige Angaben machen oder ein Urteil abgeben, das nicht seiner Überzeugung entspricht.
Schwerwiegende Mängel bei Führung und Leistung gehören daher ins Zeugnis.

Wie ist ein Zeugnis cronologisch meist aufgebaut ?

1. Der Werdegang in der Firma

2. Die Beschreibung der Tätigkeiten
A. - gemäß beiliegender Stellenbeschreibung
B. Welche Tätigkeiten aus der Stellenbeschreibung sollen besonders hervorgehoben werden ?
C. Welche Tätigkeiten wurden darüber hinaus verrichtet ?

3. Die Einarbeitung:
- schnell, - mittel, -langsam

4. Einsatzbereitschaft und Interesse:
- sehr stark/außergewöhnlich, - gut, - mittelmäßig, - wenig.

5. Die Arbeitsleistung:
Er hat die ihm übertragenden Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.
oder
Mit seinen Leistungen waren wir jederzeit und in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden. Seine Leistungen haben unsere volle Anerkennung gefunden.
Note: sehr gut (außergewöhnliche Leistungen)

Er hat die ihm übertragenen Arbeiten stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
Note: gut

Er hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
Note: befriedigend

Er hat die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit erledigt.
Note: ausreichend, diese Formulierung hält in einem Rechtsstreit nur stand, wenn diese Aussage durch Beurteilungen oder Zeugnisse nachgewiesen werden kann.

Er hat die ihm übertragenen Arbeiten im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.
Note: mangelhaft, diese Bewertung nur im "Notfall" verwenden!

Er hat sich bemüht, die ihm übertragenen Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.
Note: ungenügend, diese Bewertung nur im äußersten "Notfall" verwenden!

Welche Leistungen sollen besonders hervorgehoben werden ?
Welche Eigenschaften zeichnen den Mitarbeiter besonders aus ?

(maximal 3 Kriterien ankreuzen!)
- körperliches Leistungsvermögen
- Auffassungsgabe
- fachliches Können
- Arbeitstempo
- selbständige Arbeitsweise
- Eigeninitiative
- Verantwortungsfreudigkeit
- Verantwortungsbewußtsein
- Entscheidungsfähigkeit

6. Der Arbeitserfolg:
Er fand und realisierte stets sehr gute, kostengünstige Lösungen.
Note: sehr gut

Er fand und realisierte sehr gute, kostengünstige Lösungen.
Note: gut

Er fand und realisierte gute, kostengünstige Lösungen.
Note: befriedigend

Er zeigte stets eine zufriedenstellende Arbeitsqualität.
Note: ausreichend

Er arbeitete insgesamt zufriedenstellend.
Note: mangelhaft

Er bemühte sich um sinnvolle Lösungen.
Note: ungenügend

7. Die Arbeitsweise:
Seine Aufgaben erledigte er stets mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit.
Note: sehr gut

Seine Aufgaben erledigte er stets mit großer Sorgfalt und Genauigkeit.
Note: gut

Seine Aufgaben erledigte er stets mit Sorgfalt und Genauigkeit.
Note: befriedigend

Seine Aufgaben erledigte er mit Sorgfalt und Genauigkeit.
Note: ausreichend

Seine Aufgaben erledigte er im allgemeinen Sorgfalt und Genauigkeit.
Note: mangelhaft

Er bemühte sich, seine Aufgaben mit Sorgfalt zu erledigen.
Note: ungenügend

8. Das Mitarbeiterverhalten
Bei der Verhaltensbeurteilung ist zu beachten, daß mindestens drei Partner mit dem Mitarbeiter umgehen mußten:
- Vorgesetzter
- Mitarbeiter/Kollegen
- externe Kunden und mögliche Geschäftspartner
Bei allen Partnern können die Beurteilungen unterschiedlich sein. Sollten besondere Abweichungen vorhanden sein, kann der betroffene Partner weggelassen werden.

Beispiel:
"Sein Verhalten zu den Mitarbeitern/Kollegen war stets einwandfrei."
bedeutet: Sein Verhalten zu den Vorgesetzten wohl nicht.
"Wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen."
bedeutet: Bei den Mitarbeitern wurde er als umgänglich geschätzt, aber nicht bei Vorgesetzten.

Sollen externe Kunden oder Geschäftspartner erwähnt werden ?
- Ja, - Nein

Sein Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war stets einwandfrei/vorbildlich.
und/oder
Er förderte aktiv die Zusammenarbeit.
Note: sehr gut

Sein Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei/vorbildlich.
und/oder
Er unterstützte die Zusammenarbeit, fand schnell und leicht Kontakt und war immer informationsbereit..
Note: gut

Sein Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war gut.
Note: befriedigend

Sein Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern war stets befriedigend.
Note: ausreichend

Er hat alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt. (Bürokrat ohne Eigeninitiative).
Sein Verhalten im Dienst war angemessen.
Note: mangelhaft

Er war stets um ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten bemüht.
Note: ungenügend

9. Die Führungsqualität:
Er verstand es, seine Mitarbeiter so zu überzeugen und zu motivieren, dass er alle ihm übertragenen Aufgaben mit großem Erfolg verwirklichen konnte..
Note: sehr gut

Er überzeugte seine Mitarbeiter und förderte die Zusammenarbeit. Er informierte sein Team, regte Weiterbildung an und deligierte Aufgaben und Verantwortung und erreichte ein hohes Abteilungsergebnis.
Note: gut

Er führte seine Mitarbeiter zielbewußt zu überdurchschnittlichen Leistungen.
Note: befriedigend

Seine Aufgaben erledigte er stets mit Sorgfalt und Genauigkeit.
Note: befriedigend

Er motivierte seine Mitarbeiter und erreichte so stets voll befriedigende Leistungen.
Note: ausreichend (Durchgefallen)

Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter
Note: mangelhaft

Er koordinierte die Arbeit seiner Mitarbeiter und gab klare Anweisungen. Er führte straff demokratisch (pflegte einen autoritären Führungsstil).
Note: ungenügend

10. Weiterbildungsmaßnahmen/Fortbildung:
(nur solche eintragen, die im Zeugnis erwähnt werden sollen!)

11. Angaben über die Lösung des Arbeitsverhältnisses oder den Grund des Zwischenzeugnisses:

Das Arbeitsverhältnis endete am....
(Arbeitgeberkündigung)

Er verläßt das Unternehmen auf eigenem Wunsch zum ....
(Er hat gekündigt, wir sind sehr froh darüber.)

Das Arbeitsverhältnis endete in bestem beiderseitigen Einvernehmen zum....
(Einvernehmliche Trennung)

Wir haben uns von Herrn/Frau ... am .. einvernehmlich getrennt.
(Aufhebung auf Initiative des Arbeitgebers)

Das Arbeitsverhältnis endete auf eigenem Wunsch zum .. Wir wünschen ihm auf seinem weiterem Berufsweg alles Gute.
(Arbeitgeber bedauert seinen Fortgang, würde ihn aber nicht wieder einstellen)

Mögliche Schlußformel:
Wir bedauern sein Ausscheiden sehr, danken ihm für die langjährige Mitarbeit und wünschen für die Zukunft alles Gute.
oder
Wir danken Herrn/Frau .... für seinen jahrelangen, vorbildlichen Einsatz und wünschen ihm für den zukünftigen Lebensweg viel Glück und Erfolg.
(Er kann jederzeit wiederkommen, wir waren sehr zufrieden und bedauern seinen Fortgang ehrlich)
Unsere besten Wünsche begleiten ihn. Wir wünschen ihm alles Gute, vor allem Gesundheit. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles nur erdenklich Gute.
(Ironische Schlußbemerkungen, sinngemäß; Wir weinen ihm keine Träne nach.)

Ich hoffe, Ihr blickt jetzt ein bisschen besser durch ...